Die Kosmetikbranche wächst und besonders rasant der Markt für Halal-Produkte. Eine Studie des britischen Marktforschungsunternehmens Tech Navio aus dem Oktober 2018 rechnet vor, dass sich das Marktvolumen mit Halal-Kosmetik von aktuell 25 Milliarden Euro – dies entspricht etwa sechs Prozent des globalen Geschäfts mit Schönheitsprodukten – bis 2022 mit 55 Milliarden Euro mehr als verdoppeln könnte. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate liegt in den nächsten drei Jahren bei 13,55 Prozent.

Schaut man auf die globalen Absatzzahlen von Halal-Schönheitsprodukten, wird deutlich, welch riesiges Potenzial da auch auf dem deutschen Markt schlummert. Zentral erhobene Daten gibt es bislang noch nicht. Nachfragen bei Herstellern wie Fair Squared lassen jedoch ahnen, wie groß der Bedarf ist. Das Kölner Unternehmen bietet seine naturkosmetischen und halal-konform hergestellten Produkte im Netz, aber auch in Dritte-Welt-Läden, Apotheken und ausgewählten Drogerien an. "Wir verwenden ausschließlich Grundstoffe aus Fairtrade und haben unseren Umsatz 2018 erneut um 25 Prozent auf 1,5 Millionen Euro gesteigert", sagt Geschäftsführer Oliver Gothe. Fair Squared wird auf der HALAL HANNOVER als Aussteller vertreten sein.

Das Halal-Label steht selten für sich allein, es wird meist mit dem Siegel für "vegan", mit der Versicherung "keine Tierversuche" und mit dem Versprechen der Nachhaltigkeit verbunden. Immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen besetzen die Nischen und nutzen dazu mit ihren Onlineshops das Internet.

Eines dieser Unternehmen ist LaNaturél in Herten. Die Kosmetik-Firma mit Halal-Zertifizierung identifiziert sich mit dem Vertrauen in die Kraft der Natur. Geschäftsführer Hasan Hüseyin Aydogan will den Menschen dabei helfen, ihre Gesundheit zu schützen. Am bedeutsamsten sei es für ihn, ohne Zusatzstoffe gewissenhaft zu arbeiten. LaNaturél wird auf der HALAL HANNOVER seine Naturprodukte vorstellen.

Viele neu gegründete Unternehmen werben mit der Devise "back to the nature" und entwickeln Produkte, die Veganerinnen wie muslimische Frauen gleichermaßen ansprechen. Dabei sind auch Innovationen wie eine Hautpflegelinie aus Kaffeeöl, das aus Kaffeesatz gewonnen wird.

Bei Nagellack wird deutlich, dass mit der Kosmetik einer der Pfeiler der islamischen Religion berührt wird. Gläubige Muslime beten fünfmal am Tag. Da bei der rituellen Waschung vor jedem Gebet das Wasser die Nägel benetzen muss, um eine Gültigkeit der Waschung vor dem Gebet zu erreichen, musste früher die Muslima auf Nagellack verzichten oder ihn vor dem Gebet entfernen. Inzwischen bieten zahlreiche Hersteller wasserdurchlässigen und atmungsaktiven Nagellack an. Durch die biochemische Beschaffenheit des Nagellacks dringt das Wasser bis zu den Fingernägeln durch.

Zudem seien diese Produkte frei von gesundheitsschädlichem Formaldehyd, Toluol und Kampfer, die in handelsüblichen Nagellacken fast immer zum Einsatz kommen. Da die neuen Nagellacke neben der Wasserdurchlässigkeit auch frei von chemischen, tierischen und alkoholischen Zusätzen sind, sollen sie auch für Allergiker, Veganer und Schwangere geeignet sein.

Beim Online-Versandhandel Amazon international ruft der Suchbegriff "Halal Cosmetic" bereits 224 Produkte auf. L'Oréal, Weltmarktführer im Kosmetikbereich, hat sich zwar Hunderte seiner Produkte halal zertifizieren lassen. Doch der Fokus liegt nicht auf dem deutschen Markt, sondern auf muslimisch dominierten Ländern und den USA. Die international tätige Parfümerie-Filialkette Douglas listet derzeit fast 400 Artikel auf ihrer deutschen Website, die als vegan ausgewiesen sind und sich weitgehend auch für die Muslima eignen, etwa Make-up-Pinsel aus Kunsthaar. Konkurrenz erhalten deutsche Drogeriemärkte neuerdings auch durch Importeure wie Oriental Style, die über das Internet hochwertige saudische Kosmetikprodukte von Händlern in Dubai vermitteln.

Die HALAL HANNOVER bietet der Halal-Industrie vom 6. bis 8. März eine neue Plattform für den geschäftlichen und fachlichen Austausch. Bei der Erstveranstaltung wird sich alles um halal-konforme Lebensmittel, Getränke, Kosmetikprodukte und Reisen drehen. Ein internationales Konferenzprogramm und eine gastronomische Sonderfläche runden die Veranstaltung ab. Die dreitägige Veranstaltung ist am Messe-Samstag und -Sonntag auch für Endverbraucher geöffnet.